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Wie Sie Auszubildende finden

So finden Sie Auszubildende

Der Berufsbildungsbericht 2015 der Bundesregierung zeigt es deutlich: Immer mehr Unternehmen haben Schwierigkeiten, geeignete Auszubildende zu finden. Viele der ausgeschriebenen Ausbildungsstellen bleiben unbesetzt. Die Ursachen sind unterschiedlich. Am demografischen Wandel werden Sie nichts ändern können. Aber Sie können versuchen, Ihr Angebot für angehende Auszubildende bekannter  und attraktiver zu machen, damit sich herumspricht, wie toll es bei Ihnen ist.

Vor allem Handwerksbetriebe sowie kleine und mittlere Betriebe haben Schwierigkeiten, die Ausbildungsstellen zu besetzen. Unternehmen wie BMW oder Airbus besitzen eine große Strahlkraft, die „Tischlermeister Grau“ nicht hat. Hier ist der erste Ansatzpunkt. Denn oft geht es nicht darum, wie Sie Auszubildende finden, sondern darum, wie die Auszubildenden Sie finden. Und das im wörtlichen wie im übertragenen Sinne.

Wie finden Auszubildende Sie und Ihr Angebot?

Große Konzerne müssen nicht extra bekannt machen, dass sie ausbilden, bei ihnen schneien Bewerbungen ganz von allein ins Haus. Bei einem kleinen Tischlermeister sieht das schon anders aus. Zum einen ist der Betrieb selbst wesentlich weniger und auch nur in einer bestimmten Region bekannt, zum anderen kann nicht automatisch davon ausgegangen werden, dass er auch ausbildet. Im ersten Schritt geht es also darum, der Welt erst einmal zu sagen, dass es Ihr Unternehmen und die Ausbildungsstelle überhaupt gibt.

Wie ist Ihre Außendarstellung?

Haben Sie einen modernen, frischen und gut gepflegten Webauftritt? Oder erinnert die Seite eher an die Frühzeit des Internets? Auf Ihrer Website sollte sich ein Hinweis auf die freien Ausbildungsplätze ebenso finden wie Berichte über die Erfolge Ihrer bisherigen Auszubildenden.

Jeder Jugendliche, der eine Ausbildungsstelle sucht, wird den Namen Ihres Betriebs in eine Suchmaschine eingeben. Welche Ergebnisse bekommt er dann? Wer hier gar nicht oder nicht sympathisch und kompetent erscheint, hat schon verloren. Achten Sie bei den Ergebnissen vor allem auf Bewertungen in Bewertungsportalen. Denn die werden nicht nur von Kunden gelesen. Wenn hier häufig von einem „rauen Tonfall“ oder „schon okay, aber kein überragendes Ergebnis“ die Rede ist, hat Ihr Betrieb ein Service- und Imageproblem. Welcher Auszubildende will schon in einen Betrieb, der einen schlechten Ruf hat? Daran sollte Ihr Chef unbedingt arbeiten, dann das ist nicht nur für die Personalsuche wichtig.

Ach, Sie suchen Auszubildende?

Früher war es selbstverständlich, dass ein Betrieb auch Auszubildende einstellt. Das ist heute anders. Berichten Sie also der Welt, dass Sie ausbilden, und sorgen Sie dafür, dass Auszubildenden dies auch finden. Nutzen Sie dafür alle möglichen Kanäle. Je nach Region reicht es nicht mehr aus, eine kleine Anzeige im Wochenblättchen zu schalten und die Stelle dem Arbeitsamt zu melden. Setzen Sie besser auf einen Medienmix. Das Wochenblättchen ist nach wie vor wichtig, weil Sie hier die Eltern und Großeltern der Jugendlichen erreichen, die oft einen großen Einfluss auf die Berufs- und Stellenwahl haben. Aber die jungen Leute selbst sprechen Sie heute besser auf anderen Wegen an. Gehen Sie über Jobportale im Internet und Anzeigen bei Facebook. Fragen Sie Ihre Auszubildenden im Betrieb, ob die Ihre Anzeige teilen möchten. Drehen Sie einen kleinen Film über die Highlights einer Ausbildung in Ihrem Betrieb und stellen Sie ihn auf youtube ein.

Wichtige Partner sind die Schulen, die häufig mit den Industrie- und Handelskammern sowie den Handwerkskammern kooperieren und beispielsweise schulinterne Messen anbieten. Seien Sie dann vor Ort und nehmen Sie im Idealfall kleine interessante Aufgaben mit, um den Schülern ein spielerisches Kennenlernen des Berufs zu ermöglichen. Darüber hinaus sind in vielen Schulen Informationstafeln aufgestellt, auf denen Sie Ihr Angebot aushängen können. Achten Sie auf eine professionelle Gestaltung und auf Aktualität. Junge Menschen sind sehr kritisch und nehmen eine schlecht gemachte, veraltete Anzeige gnadenlos auseinander. Und zum Spott der ganzen Schule sollte Ihr Betrieb nicht werden. Im Gegenteil, je cooler es wird, bei Ihnen zu arbeiten, desto besser.

Eine weitere Möglichkeit sind Auszubildendenmessen, die in vielen Regionen von den Kammern, vom Arbeitsamt oder den Wirtschaftsverbänden ausgerichtet werden. Fragen Sie aber kritisch nach, wie diese Messen bekannt gemacht werden und was eine Teilnahme kostet. Ist das Angebot schon etabliert und war es in den vergangenen Jahren erfolgreich, kann sich eine Teilnahme für Sie lohnen. Ist die Messe dagegen schlecht organisiert, stehen Sie sich womöglich den ganzen Tag in einer dunklen Halle die Beine in den Bauch und keiner kommt vorbei.

Und was lerne ich da?

Ein großes Problem gerade kleiner Handswerksbetriebe ist, dass die Berufe selbst oft als verstaubt und unattraktiv gelten. Jugendliche sind in einer technisierten Welt mit Computer und Smartphone groß geworden. Die Vorstellung, jetzt in der Ausbildung zum Tischler mit einem Hobel ein Stück Holz zu bearbeiten, wird vielen absurd vorkommen. Hier gilt es also, mit den falschen Bildern zum Beruf in den Köpfen aufzuräumen. Denn wenn erst einmal klar ist, dass auch das Handwerk heutzutage hochtechnisiert arbeitet und dass viele Arbeitsschritte am Computer geplant sowie durchgeführt werden, erscheint der Beruf sofort attraktiver. Die großen Maschinen können dann in Verbindung mit der immer noch vorhandenen Arbeit von Hand sogar einen besonderen Reiz ausmachen.

Sorgen Sie also für die richtigen Bilder im Kopf: Denken Sie wieder an das youtube-Video. Das sollte unbedingt die modernen Arbeitsschritte präsentieren, das Bedienen von Pressen und Fräsen, die Planungen am Computer. Und auch das Endergebnis, das individuell hergestellte Einzelstück, das schon allein von der Optik her Qualität ausstrahlt. Auch die Fotos Ihres Maschinenparks auf Ihrer Website sollten Eindruck hinterlassen.

Wichtig ist, aufzuzeigen, wie welche Karrierechancen Auszubildende finden. Welche Aussichten und Aufstiegsmöglichkeiten bietet der Beruf? In welchen Bereichen kann man sich spezialisieren? Welche Weiterbildungsmöglichkeiten bietet auch Ihr Betrieb an? Informieren Sie auch über ein mögliches Studium nach der Ausbildung.

Eine gute Möglichkeit, jungen Menschen den Beruf nahezubringen, sind Praktika, etwa die Schulpraktika. Dabei handelt es sich um ein gegenseitiges Kennenlernen. Mit Glück können Sie so Ihren nächsten Auszubildenden finden. Das setzt aber voraus, dass Ihr Praktikant dann tatsächlich einen Einblick in den Beruf und in Ihren Betrieb erhält. Wer einen Schüler im Praktikum nur dafür einsetzt, Regale aufzuräumen, muss sich nicht wundern, dass keine Begeisterung entsteht. Stellen Sie einem Praktikanten einen Mitarbeiter zur Seite, dem er über die Schulter schauen kann und der ihm kleine, aber durchaus auch anspruchsvolle Aufgaben gibt. Das ist eine gute Übung für die Ausbildung – für alle Beteiligten. Im Idealfall sorgen Sie dafür, dass Ihr Praktikant am Ende des Praktikums ein kleines Werkstück mit nach Hause und in die Schule nehmen kann. Damit können Sie sich sehr effektiv von anderen Unternehmen und den dort angebotenen, oft sehr schlecht durchgeführten Praktika abheben.

Bieten Sie Auszubildenden Unterstützung an

Eine häufige Klage der Unternehmen ist, dass die Schüler heutzutage oft schlecht vorbereitet von den Schulen kommen. Unbestreitbar ist es ein Problem, wenn die jungen Menschen nicht vernünftig rechnen und schreiben können. Allerdings kann man hier mit etwas Mut und Geduld echte Überraschungen erleben. Jemand, der in Mathematik nie aufgepasst hat, weil der Unterricht so langweilig war, kann plötzlich eine Leidenschaft für die Berechnung von Maßen und Flächen entwickeln, wenn es um die praktische Anwendung der Formeln geht. Ein anderer hat vielleicht Schwierigkeiten bei der Rechtschreibung, löst dafür aber im Handumdrehen Probleme am Computer. Und der Dritte besitzt ein handwerkliches Geschick und einen solch herausragenden Sinn für Kreativität und Ästhetik, dass Ihr Chef ihm dafür eine schlechte Note in Chemie nachsieht. Hier kann es hilfreich sein, sich auf die Stärke der jungen Leute zu konzentrieren und einen gesunden Mix in der Belegschaft zu schaffen. Oft bieten sich auch Vorabpraktika oder Zeiten der Einstiegsqualifizierung an, um den angehenden Auszubildenden den Start zu erleichtern. Erkundigen Sie sich beim Arbeitsamt, das solche Programme meist fördert.

Dass den jungen Menschen Unterstützung bei Problemen angeboten werden sollte, versteht sich. Das bezieht sich nicht nur auf Schwierigkeiten beim Stoff, sondern auch beispielsweise auf Hilfe bei der Wohnungssuche, wenn der Auszubildende aus einer anderen Stadt zu Ihnen an den Ort zieht. Selbst Dienstwagen sind heute gar nicht mehr so selten, wenn mit ihnen sichergestellt ist, dass der Auszubildende einfacher von seinem Wohnort in die Ausbildungsstätte kommt. Solche Faktoren können entscheidend dafür sein, dass sich jemand für einen Lehrvertrag bei Ihnen entscheidet. Seien Sie bei der Lösungssuche kreativ.

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