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Mythos Sekretärin: Vorurteile, die immer noch kursieren

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Wer als Sekretärin arbeitet, hat besonders oft mit Vorurteilen zu kämpfen. Vielleicht liegt es daran, dass irgendwie jeder zu wissen glaubt, was eine Sekretärin oder Assistentin so den ganzen Tag tut. Allerdings verstehen nur die wenigsten Menschen, wie anspruchsvoll der Job mittlerweile tatsächlich geworden ist. Zeit, mit ein paar Mythen rund um den Beruf der Sekretärin aufzuräumen.

Briefe schreiben nach Diktat

Erstaunlich hartnäckig hält sich das Vorurteil, dass Sekretärinnen ausschließlich nach Diktat Briefe schreiben. Tatsächlich kommt das nur noch in den wenigsten Unternehmen vor.

Statt nach Diktat einen Brief zu schreiben, übernimmt die Sekretärin heute eigenverantwortlich die komplette Geschäftskorrespondenz, sowohl was den klassischen Geschäftsbrief als auch E-Mails angeht. Sie fordert Angebote ein und antwortet besänftigend auf Reklamationen, schreibt Glückwunschbriefe zu Betriebsjubiläen und formuliert Beschwerden, die zwar freundlich im Ton, hart aber in der Sache sind. Ganz nebenbei sorgt sie noch dafür, dass alle Schreiben, die das Haus verlassen, einheitlich gestaltet sind, legt gegebenenfalls ein Wordingregister für die externe Korrespondenz an und sorgt dafür, dass bei internen Mailings garantiert niemand vergessen wird. Und das auch gern in verschiedenen Fremdsprachen.

Eine Sekretärin schreibt Briefe? Die bessere Beschreibung ist: Einen Sekretärin managt die komplette Korrespondenz eines Unternehmens.

Kaffee kochen für den Besuch

Ebenso hartnäckig ist die Ansicht, eine Sekretärin kümmere sich vor allem um Kaffee und Snacks, während andere wichtige Menschen bedeutende Dinge besprechen.

Zweifelsohne gehört die Bewirtung zu einer Besprechung dazu – als einer von vielen vorbereitenden Schritten. Zuvor geht es darum, die Tagesordnung festzulegen, alle Teilnehmer einzuladen, die Räumlichkeiten zu organisieren und für die passende Technik zu sorgen. Oft nimmt die Sekretärin am Meeting teil, führt Protokoll oder moderiert die Diskussion. Im Anschluss verwaltet sie nicht nur die Mitschriften, sondern überwacht die besprochenen To-dos. Alles in allem geht es nicht darum, mit einer guten Verpflegung für gute Laune während des Treffens zu sorgen, sondern darum, die teuren Besprechungen überhaupt effizient zu machen. Ach ja, bei den internen Meetings bleibt es auch nicht immer. Oft werden ganze Konferenzen von der Sekretärin betreut. Den Kaffee kocht dann das beauftragte Cateringunternehmen.

Die Sekretärin als Vorzimmerdrachen

„An der kommt keiner vorbei“ – fast schon ehrfürchtig ist der Umgang der Kollegen mit der Chefsekretärin, die auch als „Drache“ verschrien ist. Solche Sekretärinnen mag es noch gelegentlich geben. Wer sich aber die Stellenanzeigen ansieht, wird darin immer wieder Begriffe wie „Teamfähigkeit“, „Kommunikationsfähigkeit“ und „höfliches Auftreten“ finden. Zwar ist es noch immer wichtig, dem Chef den Rücken freizuhalten sowie Anfragen, Telefonate und Besuche von ihm fernzuhalten, die ihm nur wertvolle Zeit rauben. Aber all das darf nicht auf Kosten des Betriebsklimas gehen.

Eine gute Sekretärin ist heute nicht mehr Vorzimmerdrachen, sondern Diplomatin.

Hauptsache hübsch anzusehen

Das Bild von der vorzeigbaren, gut gekleideten Vorzimmerdame mit den perfekt manikürten Fingernägeln und der tadellos sitzenden Frisur hält sich hartnäckig. Außer Frage steht, dass ein gepflegtes Äußeres dazugehört, vor allem, wenn viel Kundenkontakt besteht. Wer allerdings die Sekretärin darauf reduziert, macht einen großen Fehler. Gut ausgebildete Assistenzkräfte übernehmen oft anspruchsvollere Aufgaben als reine Sacharbeiter, sitzen mit der Chefetage an einem Tisch und bereiten Entscheidungen vor, von denen der Rest der Belegschaft erst Wochen später erfährt.

Eine Sekretärin ist kein Prestigeobjekt für Führungskräfte, wie noch immer oft angenommen wird. Kluge Chefs setzen ihre Fähigkeiten gezielt ein und profitieren vom Können und Wissen ihrer Mitarbeiterinnen.

Keine Vorurteile, sondern Belästigung

Am ärgerlichsten sind sicherlich die Vorurteile, eine Sekretärin sei ein naives, kleines Betthäschen und die willige Gespielin für den Chef. Doch, auch das Vorurteil habe ich – wie alle anderen – im Internet noch gefunden, oft in Form von nicht wirklich lustigen, dafür aber umso frauenfeindlicheren Witzen. Wer im Büro mit solchen Sprüchen konfrontiert wird, kann sich heutzutage zum Glück dagegen wehren, zur Not mit einer Anzeige wegen sexueller Belästigung.

Allerdings kommt es durchaus vor, dass sich Chef und Sekretärin ineinander verlieben und heiraten, ebenso wie sich Sacharbeiter und Sacharbeiterin, Buchhalter und Vertriebsmitarbeiter, Lageristin und Maschinenführerin ineinander verlieben und heiraten können. Immerhin gilt der Arbeitsplatz als eine der größten Partnerbörsen überhaupt. Dann bleibt nur eines zu sagen: Herzlichen Glückwunsch und alles Gute!

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  1. Ach ja, diese herrlichen Vorurteile. Heutzutage hat man als Sekretärin weitaus mehr Aufgabengebiete, als Kaffee kochen und Briefchen abtippen. Eher ist es so, dass ich solche Aufgaben an Praktikanten abgebe, weil ich dazu einfach gar keine Zeit habe. Vielmehr geht’s mittlerweile darum, die Abläufe zu organisieren, Entscheidungen eigenständig zu treffen, Verträge auszuarbeiten und abzuschließen. Für einen bestimmten Bereich akquiriere ich auch selbst das Personal, führe die Einstellungsgespräche und organisiere die Einarbeitung. „Klassische“ Sekretariatsarbeiten laufen eher so nebenher.

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