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Werbung? So besser nicht

Werbung? So besser nicht - das ist ökologischer Wahnsinn

Ent­schul­di­gung, aber jetzt muss ich mich mal rich­tig auf­re­gen. Mit Wer­bung müs­sen wir ja alle leben und ich habe auch nicht grund­sätz­lich etwas dage­gen. Hier auf mei­ner Sei­te ist ja auch Wer­bung zu fin­den. Aber das, was ich heu­te  in mei­nem Brief­kas­ten als Wer­bung fand, erziel­te bei mir genau das Gegen­teil! Anti-Wer­bung vom Feins­ten sozu­sa­gen. Schäd­lich! Und das mei­ne ich nicht nur in Bezug auf eine mög­li­che Kun­den­be­zie­hung. Schäd­lich, weil hier öko­lo­gi­scher Wahn­sinn in Rein­kul­tur betrie­ben wird.

Geht’s noch?

Ein klei­nes Päck­chen lag da am Emp­fang für mich. Hm, komisch, ich erwar­te­te kei­ne Sen­dung. Der Absen­der sag­te mir auch nichts. „Na gut, wird sich ja gleich klä­ren“, dach­te ich mir und pack­te aus. Im Päck­chen fand ich:

  • einen Mini-Fly­er einer Dru­cke­rei druck.de (14,5 x 16 cm groß),
  • einen Glücks­keks (!) in einer geson­der­ten Plas­tik­ver­pa­ckung,
  • jede Men­ge Pols­ter aus Plas­tik als Schutz vor Stö­ßen
  • und eine Papp­hül­le zum Schutz vorm Ein­drü­cken etc.

Dazu kam natür­lich noch das Päck­chen als Umver­pa­ckung.

Jetzt mal im Ernst: Geht’s noch? Da wird eine Rie­sen­men­ge Müll teu­er und umwelt­schäd­lich durch die Gegend (auf den wei­ten Weg aus der Schweiz, wie ein Blick auf den Absen­der zeigt) geschickt, um einen Glücks­keks (!) im Wert von weni­gen Cent heil zum Emp­fän­ger zu brin­gen? Und einen Fly­er, der locker in einen nor­ma­len Brief­um­schlag passt? Geschickt an einen Emp­fän­ger, der das Zeug weder bestellt hat, noch haben will? Was für ein öko­lo­gi­scher Wahn­sinn!

Und so etwas nennt sich umweltfreundlich

Ein Blick auf die Web­site der betref­fen­den Dru­cke­rei zeigt den übli­chen PR-Sprech in Sachen Umwelt­freund­lich­keit:

… set­zen wir auf eine umwelt­freund­li­che Pro­duk­ti­on und legen gro­ßen Wert dar­auf, das gesam­te Unter­neh­men sowie sämt­li­che Pro­duk­ti­ons­schrit­te umwelt­ver­träg­lich zu gestal­ten. Wir sind stets auf der Suche nach bes­se­ren Lösun­gen – für die Kun­den und für die Umwelt!“

Welch ein Hohn. Die bes­te Lösung wäre in die­sem Fall gewe­sen, die­se umwelt­schäd­li­che und – mit Ver­laub – däm­li­che Wer­be­ak­ti­on von vorn­her­ein zu strei­chen. Und eine gründ­li­che­re Recher­che zu betrei­ben, wer über­haupt Inter­es­se an den Leis­tun­gen oder wie in die­sem Fall an einer Part­ner­schaft mit dem eige­nen Unter­neh­men haben könn­te. Ich ver­ge­be und ver­mitt­le nur äußerst sel­ten Druck­auf­trä­ge. Aber wenn ich mal wie­der einen Druck­auf­trag habe oder von einem Kun­den nach einer Emp­feh­lung gefragt wer­de, weiß ich, wer dabei garan­tiert nicht infra­ge kommt! Umwelt­freund­lich­keit ist etwas Ganz­heit­li­ches. Das ist mehr als umwelt­ge­rech­tes Papier, Bio-Far­ben und ein paar wohl­tö­nen­de Wort auf der eige­ne Web­site. Ich möch­te gar nicht wis­sen, wie viel Müll pro­du­ziert wur­de, um ein paar zusätz­li­che Druck­auf­trä­ge zu akqui­rie­ren.

Was sage ich eigentlich aus?

Mal abge­se­hen vom öko­lo­gi­schen Aspekt ist inter­es­sant, wel­che Bot­schaft die­ses Mai­ling bei mir eigent­lich sonst noch aus­löst. Da erhal­te ich ein Päck­chen und fra­ge mich, was da wohl drin sein mag. Eine gewis­se Erwar­tungs­hal­tung ent­steht also in mir – und das ist ja auch so gewünscht und beab­sich­tigt. Und dann? Auf­ga­be des Packungs­in­halts ist doch, die Erwar­tungs­hal­tung irgend­wie zu erfül­len. Hier aber pas­siert genau das nicht, mei­ne Erwar­tungs­hal­tung läuft kom­plett ins Lee­re, im Paket ist: Müll. Wie in einer Matrosch­ka fragt sich der Emp­fän­ger bei jedem wei­te­ren Teil, das aus der Packung pur­zelt, was da denn noch kommt und ob da über­haupt noch etwas kommt. Um dann zu bemer­ken: „Nö, da kommt tat­säch­lich nichts mehr.“ Die Bot­schaft, die die Dru­cke­rei an mich sen­det, lau­tet: „Wir pro­du­zie­ren hei­ße Luft, davon aber eine gan­ze Men­ge.“ Ich bezweif­le, dass das beab­sich­tigt war.

Stimmt das Verhältnis?

Auf die­se Wei­se wird Wer­bung zum Anti-Erleb­nis und erreicht genau das Gegen­teil des­sen, was beab­sich­tigt ist. Wenn man etwas aus die­ser Akti­on ler­nen kann, dann das:

  • Fra­gen Sie sich, ob bei Ihrer Akti­on Auf­wand und Ertrag im Ver­hält­nis zuein­an­der ste­hen. Und das nicht nur in finan­zi­el­ler Hin­sicht, son­dern bli­cken Sie auch auf die Begleit­erschei­nun­gen, die Ihr Mai­ling haben wird.
  • Ach­ten Sie auf die öko­lo­gi­schen Kon­se­quen­zen, die Ihre Akti­on nach sich zie­hen wird. Immer mehr Men­schen ach­ten wie ich dar­auf, ob sinn­los Plas­tik und sons­ti­ger Müll pro­du­ziert und ver­brei­tet wird. Und das gilt unab­hän­gig davon, ob Ihr Unter­neh­men sich selbst als beson­ders öko­lo­gisch ver­steht oder nicht. Es reicht, wenn ich als Kun­de beschlie­ße, sol­chen Umwelt­wahn­sinn nicht zu unter­stüt­zen.
  • Fra­gen Sie sich, wel­che Erwar­tun­gen Sie mit Ihrem Mai­ling aus­lö­sen und ob Sie, Ihre Leis­tun­gen und auch das Mai­ling selbst die­sen Erwar­tun­gen über­haupt gerecht wer­den kön­nen. Sonst läuft Ihre Bot­schaft bes­ten­falls ins Lee­re, schlimms­ten­falls aber kehrt sie sich ins Nega­ti­ve um.

Ich habe kurz über­legt, ob ich den gan­zen (hier bit­te ein unge­bühr­li­ches Schimpf­wort ein­fü­gen) unfrei wie­der an den Absen­der zurück­schi­cke. Aller­dings hät­te das ja wie­der bedeu­tet, Müll durch die Gegend zu schi­cken – mit allen öko­lo­gi­schen Kon­se­quen­zen. Des­halb ist all das bei mir nun in den Abfall­ei­mer gewan­dert. Was für ein Wahn­sinn!

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