Artikel
0 Kommentare

Werbung? So besser nicht

Werbung? So besser nicht - das ist ökologischer Wahnsinn

Entschuldigung, aber jetzt muss ich mich mal richtig aufregen. Mit Werbung müssen wir ja alle leben und ich habe auch nicht grundsätzlich etwas dagegen. Hier auf meiner Seite ist ja auch Werbung zu finden. Aber das, was ich heute  in meinem Briefkasten als Werbung fand, erzielte bei mir genau das Gegenteil! Anti-Werbung vom Feinsten sozusagen. Schädlich! Und das meine ich nicht nur in Bezug auf eine mögliche Kundenbeziehung. Schädlich, weil hier ökologischer Wahnsinn in Reinkultur betrieben wird.

Geht’s noch?

Ein kleines Päckchen lag da am Empfang für mich. Hm, komisch, ich erwartete keine Sendung. Der Absender sagte mir auch nichts. „Na gut, wird sich ja gleich klären“, dachte ich mir und packte aus. Im Päckchen fand ich:

  • einen Mini-Flyer einer Druckerei druck.de (14,5 x 16 cm groß),
  • einen Glückskeks (!) in einer gesonderten Plastikverpackung,
  • jede Menge Polster aus Plastik als Schutz vor Stößen
  • und eine Papphülle zum Schutz vorm Eindrücken etc.

Dazu kam natürlich noch das Päckchen als Umverpackung.

Jetzt mal im Ernst: Geht’s noch? Da wird eine Riesenmenge Müll teuer und umweltschädlich durch die Gegend (auf den weiten Weg aus der Schweiz, wie ein Blick auf den Absender zeigt) geschickt, um einen Glückskeks (!) im Wert von wenigen Cent heil zum Empfänger zu bringen? Und einen Flyer, der locker in einen normalen Briefumschlag passt? Geschickt an einen Empfänger, der das Zeug weder bestellt hat noch haben will? Was für ein ökologischer Wahnsinn!

Und so etwas nennt sich umweltfreundlich

Ein Blick auf die Website der betreffenden Druckerei zeigt den üblichen PR-Sprech in Sachen Umweltfreundlichkeit:

„… setzen wir auf eine umweltfreundliche Produktion und legen großen Wert darauf, das gesamte Unternehmen sowie sämtliche Produktionsschritte umweltverträglich zu gestalten. Wir sind stets auf der Suche nach besseren Lösungen – für die Kunden und für die Umwelt!“

Welch ein Hohn. Die beste Lösung wäre in diesem Fall gewesen, diese umweltschädliche und – mit Verlaub – dämliche Werbeaktion von vornherein zu streichen. Und eine gründlichere Recherche zu betreiben, wer überhaupt Interesse an den Leistungen oder wie in diesem Fall an einer Partnerschaft mit dem eigenen Unternehmen haben könnte. Ich vergebe und vermittle nur äußerst selten Druckaufträge. Aber wenn ich mal wieder einen Druckauftrag habe oder von einem Kunden nach einer Empfehlung gefragt werde, weiß ich, wer dabei garantiert nicht infrage kommt!

Umweltfreundlichkeit ist etwas Ganzheitliches. Das ist mehr als umweltgerechtes Papier, Bio-Farben und ein paar wohltönende Wort auf der eigene Website. Ich möchte gar nicht wissen, wie viel Müll produziert wurde, um ein paar zusätzliche Druckaufträge zu akquirieren.

Werbung: Was sage ich eigentlich aus?

Mal abgesehen vom ökologischen Aspekt ist interessant, welche Botschaft dieses Mailing bei mir eigentlich sonst noch auslöst. Da erhalte ich ein Päckchen und frage mich, was da wohl drin sein mag. Eine gewisse Erwartungshaltung entsteht also in mir – und das ist ja auch so gewünscht und beabsichtigt. Und dann? Aufgabe des Packungsinhalts ist doch, die Erwartungshaltung irgendwie zu erfüllen. Hier aber passiert genau das nicht, meine Erwartungshaltung läuft komplett ins Leere, im Paket ist: Müll. Wie in einer Matroschka fragt sich der Empfänger bei jedem weiteren Teil, das aus der Packung purzelt, was da denn noch kommt und ob da überhaupt noch etwas kommt. Um dann zu bemerken: „Nö, da kommt tatsächlich nichts mehr.“ Die Botschaft, die die Druckerei an mich sendet, lautet: „Wir produzieren heiße Luft, davon aber eine ganze Menge.“ Ich bezweifle, dass das beabsichtigt war.

Stimmt das Verhältnis?

Auf diese Weise wird Werbung zum Anti-Erlebnis und erreicht genau das Gegenteil dessen, was beabsichtigt ist. Wenn man etwas aus dieser Aktion lernen kann, dann das:

  • Fragen Sie sich, ob bei Ihrer Aktion Aufwand und Ertrag im Verhältnis zueinander stehen. Und das nicht nur in finanzieller Hinsicht, sondern blicken Sie auch auf die Begleiterscheinungen, die Ihr Mailing haben wird.
  • Achten Sie auf die ökologischen Konsequenzen, die Ihre Aktion nach sich ziehen wird. Immer mehr Menschen achten wie ich darauf, ob sinnlos Plastik und sonstiger Müll produziert und verbreitet wird. Und das gilt unabhängig davon, ob Ihr Unternehmen sich selbst als besonders ökologisch versteht oder nicht. Es reicht, wenn ich als Kunde beschließe, solchen Umweltwahnsinn nicht zu unterstützen.
  • Fragen Sie sich, welche Erwartungen Sie mit Ihrem Mailing auslösen und ob Sie, Ihre Leistungen und auch das Mailing selbst diesen Erwartungen überhaupt gerecht werden können. Sonst läuft Ihre Botschaft bestenfalls ins Leere, schlimmstenfalls aber kehrt sie sich ins Negative um.

Ich habe kurz überlegt, ob ich den ganzen (hier bitte ein ungebührliches Schimpfwort einfügen) unfrei wieder an den Absender zurückschicke. Allerdings hätte das ja wieder bedeutet, Müll durch die Gegend zu schicken – mit allen ökologischen Konsequenzen. Deshalb ist all das bei mir nun in den Abfalleimer gewandert. Was für ein Wahnsinn!

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.